Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim

 

21.05.2008, Bietigheimer Zeitung

Neue Live-CD punktet durch Frische Süddeutsche Kammersinfonie in Hochform

Festgehalten sind auf dieser klanglich einwandfreien Produktion zwei Konzertmitschnitte aus dem Uhlandbau in Mühlacker und dem Bietigheimer Kronenzentrum mit Werken von Mozart, Beethoven, Bruch und Ravel. Was bei diesen Aufnahmen sofort ins Ohr geht, ist die Frische, Impulsivität und Intensität fernab ausgetretener Interpretationspfade, mit denen die Kammersinfonie die Werke angeht. Außerdem die Fähigkeit zu einer durchweg beredten Musizierhaltung, die aber nie eintönig wirkt, da Peter Wallinger der Musik auch genügend Raum für ihre sinnliche Entfaltung lässt.

Nicht zuletzt dokumentieren diese Live-Mitschnitte ein Wesensmerkmal der Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim, das jedes ihrer Konzerte auszeichnet. Ein transparentes Kommunizieren von faszinierender Leichtigkeit und Natürlichkeit innerhalb des Orchesters und im Dialog mit zwei herausragenden Instrumentalsolisten: Ursula Schoch (Violine) und Bernard d'Ascoli (Klavier).

Die in Ludwigsburg geborene und in Sachsenheim aufgewachsene Geigerin Ursula Schoch, in Amsterdam Konzertmeisterin im Concertgebouw-Orchester, füllt den melodischen Reichtum und die weit gespannten Kantilenen in Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1 g-Moll op. 26 mit immenser Spannung, Leidenschaft und großartiger Gestaltungskraft, Phrasierung, Artikulation und ihr Repertoire an klanglichen Abstufungen sind vom Feinsten. Zudem spiele Schoch mit einer Feinfühligkeit, Dank derer sich einzelne Klänge und melodische Phrasen mitunter zu großer Räumlichkeit weiten.

Den Hut ziehen muss man auch vor der jeden einzelnen Ton beleuchtenden Anschlagskultur des blinden französischen Pianisten Benard d'Ascoli in Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37. Sein technisch überlegenes Spiel wirkt gleichermaßen durchdacht wie spontan und nimmt sich auch die Zeit zum genüsslichen Auskosten des Augenblicks. Bestaunenswert sind die schwungvolle Eleganz und die rhythmische Elastizität, mit der die Süddeutsche Kammersinfonie musiziert.

Eine auf der ganzen Linie bestechende Beethoven-Lesart gelingt Peler Wallinger mit einer natürlich atmenden Interpretation der pittoresken Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 "Pastorale", in der scharf nachgezeichnete Stimmverläufe den jeweiligen Spannungsbogen nie abreißen lassen. Entspannt, aber keineswegs spannungsarm schließlich die Wiedergabe von Ravels Suite "Le Tombeau de Couperin".

Maurice Ravels erlesene Melodik und seine exotische, unglaublich sinnliche instrumentale Koloristik: entwickeln in dem von mannigfaltigen klangfarblichen Reizen geprägten Spiel der Kammersinfonie einen unwiderstehlichen Sog. Schon allein deswegen lohnt sich ein Kauf dieser Doppel-CD, bei der nicht nur die Fans der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die Ohren spitzen dürften.

Christof Jentzschke

21.04.2008, Pforzheimer Zeitung

Ansprechende Mitschnitte

Die Zusammenarbeit des Dirigenten Peter Wallinger mit der von ihm gegründeten "sueddeutschen kammersinfonie bietigheim" hat über die Jahre Früchte getragen. Zudem musizieren Wallinger und seine Instrumentalisten auch mit einer eigenen Konzertreihe im Uhlandbau in Mühlacker.

Auf einer jüngst erschienenen Doppel-CD sind zwei Konzertmitschnitte des Jahres 2007 vereint, die die Handschrift des Dirigenten tragen, aber auch beachtenswerte Solisten präsentieren.

Ursula Schoch ist durch ihre häufigen Auftritte mit Wallinger bestens bekannt. Die Konzertmeisterin de Concertgebouw Orchestra Amsterdam kann bei Bruchs g-Moll Violinkonzert ihre Technik ebenso wie ihre Musikalität, die auch Adagio von Kitsch-Nähe bewahrt, unter Beweis stellen. Mit dem blinden Pianisten Bernard d'Ascoli musizierte Wallinger ein poetisch ausgeformtes drittes Klavierkonzert von Beethoven. Der französische Musiker pflegt einen ungemein differenzierten Klavierstil, der, wo nötig, brilliant funkeln kann, mehr aber noch die Lyrik des c-Moll-Konzertes aushorcht. Nicht nur als Begleitorchester kann sich die "sueddeutsche kammersinfonie bieitgheim" hören lassen. Wallinger verleiht der Ouvertüre zu Mozarts "Hochzeit des Figaro" ebenso wie der Es-Dur Sinfonie KV 543 klare Konturen. Dezenten Farbzauber verleiht er Ravels "Le Tombeau de Couperin". Dass die schlanke Besetzung der Bietigheimer auch an Grenzen stößt, ist auch der trockenen Akustik des Uhlandbaus und der direkten Aufnahmetechnik geschuldet. Bei Beethovens "Pastorale" ebeneso wie in manchen Passagen des c-Moll-Klavierkonzerts klingen die Streicher etwas ausgedünnt. Dafür zeichnet Peter Wallinger die Strukturen mit Genauigkeit und Stilgefühl nach

Thomas Weiss

19.04.2008, Mühlacker Tagblatt

Mit Präzision und Freude am Spiel Neue Doppel-CD mit Live-Mitschnitten der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger

Bis die Konzertreihe Musikalischer Sommer am 8. Juni mit einem Auftritt des Lotus String Quartetts in ihre neue Saison startet und die Musikfreunde in der Lienzinger Frauenkirche wieder auf ihre Kosten kommen, vergehen noch ein paar Wochen. Eine jetzt erschienene, von Peter Wallinger, dem Initiator des Festivals, herausgegebene Doppel-CD kann dabei helfen, die Zwischenzeit zu überbrücken.

Der Dirigent und musikalische Leiter hat in den vergangenen Jahren den Mühlacker Uhlandbau als Konzertstätte wiederbelebt und dort mit der Reihe Mühlacker Concerto den von ihm installierten Lienzinger Sommerkonzerten ein reizvolles Pendant gegenübergestellt. Von der Qualität der auftretenden Künstler ebenso wie von der klaren Akustik des traditionsreichen Saals legt der neue Tonträger eindrucksvoll Zeugnis ab. Die Doppel-CD "Kammersinfonie live 2007" enthält Live-Mitschnitte von Konzerten aus dem Vorjahr. Unter Peter Wallingers Leitung spielt die von ihm gegründete Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim Werke von Mozart, Ravel, Bruch und Beethoven.

Obwohl unter Live-Bedingungen entstanden, belegen die Aufnahmen den hohen Stand der technischen Perfektion der Musiker fernab der Atmosphere steriler Studioproduktionen präsentiert sich hier ein Klangbild, das von der Freude am Musizieren und vom aufmerksamen Zusammenspiel geprägt ist. Deutlich wird dies schon im Eingangsstück, der Ouvertüre zur Mozart-Oper "Die Hochzeit des Figaro", in der die präzise aufeinander abgestimmten Register die Partitur plastisch-dreidimensional durchhörbar werden lassen. Dies gilt in besonderem Maße auch für den Schlusssatz der Mozart-Sinfonie Nr. 39. Streicher und Bläser liefern sich hier im besten Sinn einen musikalischen Wettstreit, ohne dem Tempo Details der rasanten Sechzehntel-Läufe zu opfern.

Als Solisten sind auf den beiden CDs die Geigerin Ursula Schoch mit Max Bruchs berühmten g-moll-Violinkonzert und der Pianist Bernard d'Ascoli mit Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 in c-moll zu hören. Beide beeindrucken mit unangestrengter Virtuosität und bedanken sich für den Applaus des Publikums jeweils mit einer ebenfalls auf der Aufnahme festgehaltenen Zugabe.

Carolin Becker