Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim

 

21.04.2010, Bietigheimer Zeitung

Eine Hommage an die Violine Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim
legt eine neue Live-CD vor

Die Solistin und Konzertmeisterin Ursula Schoch steht im Mittelpunkt einer neuen Live-CD der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Ein besonderes Klangerlebnis und großes Hörvergnügen.

Auf der neuen CD "live 2009/2010" gibt es einen musikalischen Mittelpunkt, um den sich - ohne es abwerten zu wollen - alles andere gruppiert.

Mit der Interpretation des Violinenkonzerts Nr. 4 D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 218) verbeugt sich die Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger, als auch die Violinistin Ursula Schoch, vor dem musikalischen Genie aus Salzburg. Freilich hat sich Mozart mit seinen fünf Violin-Konzerten den Liebhabereien und Ansprüchen seiner Zeit angepasst - und gilt deshalb oft als zu gefällig. Die Interpretation der Kammersinfonie ist es nicht.

Während das Allegro durchaus straff und das Rondeau überaus leicht und spielerisch präsentiert wird, zeigt sich das innige Andante als wahrer Kristallisationspunkt dieser CD.

In einer tiefen Selbstvergessenheit holt Ursula Schoch die Violinentöne scheinbar aus einem nur ihr bekannten Musik-Universum, um sie in die ganze Klangpracht des Orchesters einzubetten.

Und die CD setzt weitere Gegenpunkte, die in ihrer musikalischen Schönheit und Anmut dem Andante von Mozart in nichts nachstehen.

Franz Schuberts "Deutsche Tänze" bilden einen bodenständigen Auftakt, wogend und gleichzeitig schwungvoll. Johann Sebastian Bachs Partien für Violine solo zählen zu den berühmtesten Meisterwerken ihrer Art. Gerade wegen ihrer Beschränkung sind sie von einzigartigem Reichtum, so auch die Sonata für Violine solo Nr. 1 g-moll, durchaus ein Kleinod auf dieser CD. Ursula Schoch findet dabei mit sicherem Gespür stets das Gleichgewicht zwischen vitalem Elan und dem hohen Anspruch vertrackter Fugen.

Die Sinfonie Nr. 4 d-moll Op. 120 von Robert Schumann schwingt sich in vier, von großer musikalischen Geschlossenheit geprägten Sätzen zu einem lebhaften, fast schon entfesselnden Finale hin. Die Verträumtheit der Romanze und der Pulsschlag des Scherzo lösen sich zum Ende des vierten Satzes in einem Taumel auf, in dem sich die hohe musikalische Qualität der Kammersinfonie Bietigheim widerspiegelt.

Die letzten beiden Stücke auf der CD sind Klassiker. Jean Sibelius schuf mit "Finlandia" die heimliche Nationalhymne seiner Heimat mit hoher patriotisch-emotionaler Bedeutung. Das "Sinfonische Gedicht" ist eine musikalische Huldigung, die die Kammersinfonie in großer Klangbreite bietet - vom schwermütigen Beginn über die Leichtigkeit der Ebenen bis zum jubelnden Ende. Die CD schließt mit Edvard Griegs "Peer Gynt"-Suite ab, wie "Finlandia", am 6. Dezember 2009 live im Kronenzentrum mitgeschnitten.

"Ases Tod" zeigt sich hier mit seinen schmerzlichen Harmonien als Ausdruck lauter Klage, die im musikalischen Nichts ausgehaucht wird. "Anitras Tanz" trägt jene leichte Lust in sich, die sich das Orchester mit Ursula Schoch völlig zu eigen machen.

Im Kanon verbinden sich, fast lauernd, Geige und Bratsche, getragen von den Bässen. Der glanzvolle Schlusspunkt wird mit dem vierten Satz "In der Halle des Bergkönigs" gesetzt. Die Jagd der Trolle auf Peer gerät zum temporeichen CD-Finale, bei der die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim die Instrumente erst tanzend, dann drohend und schließlich peitschend spielt. Ein großes Hörvergnügen, das die Sinne anspricht.

Jörg Palitzsch

12.04.2010, Pforzheimer Zeitung

Künstlerische Solidität Peter Wallinger dirigiert die Sueddeutsche Kammersinfonie

Die Konzerte des Dirigenten Peter Wallinger und seiner „Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim“ in Mühlacker und beim Musikalischen Sommer in Lienzingen sind seit Jahren fester Bestandteil des klassischen Musikangebots in der Region.

Auf einer jetzt erschienen CD werden aufnahmetechnisch solide Mitschnitte, die klanglich recht kompakt und etwas direkt geraten sind, aus der Saison 2009/2010 des Orchesters vorgestellt. Als Solistin in Wolfgang Amadeus Mozarts 4. Violinkonzert D-Dur KV 218 ist die Geigerin Ursula Schoch, Konzertmeisterin des Amsterdamer Concertgebouw Orchestra, vertreten, mit der Wallinger seit langer Zeit eine erfolgreiche Zusammenarbeit pflegt.

Sie musiziert das D-Dur Konzert mit klarem, aufblühenden Ton, sehr lebendig und rhythmisch pointiert. Eine Herangehensweise, die durch ihre Natürlichkeit und die Unverkrampftheit des Spiels besonders für sich einnehmen kann. Als Zugabe der Geigerin wird zudem das Adagio aus Johann Sebastian Bachs 1. Solosonate BWV 1001 präsentiert.

Neben zweier Schubert-Tänze, bei denen von Wallinger das Folkloristisch-Erdverbundene der Musik in den Vordergrund gerückt wird, kann besonders die 4. Sinfonie von Robert Schumann, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, überzeugen. Die „Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim“ präsentiert sich unter der vorantreibenden Stabführung Wallingers als sehr sicheres Orchester mit markanten Bläsern und klangschönen Streichern, die nur in den hohen Passagen gelegentlich etwas spitz und ausgedünnt wirken.

Die Spätfassung der d-Moll Sinfonie mit ihren zyklischen Verschränkungen erfährt hier eine profunde Wiedergabe. Etwas blechbläserlastig, aber dennoch sehr markant und wirkungsvoll erklingt Jean Sibelius „Finlandia“, feines Lokalkolorit prägt die Auszüge aus der ersten „Peer Gynt“-Suite von Edvard Grieg.

Alles in allem eine CD, die nicht nur den Freunden des Orchesters empfohlen werden kann.

Thomas Weiss

10.04.2010, Mühlacker Tagblatt

Geschenk zum Jubiläum

Die CD-Sammlung der zahlreichen Fans der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim wird weiter anwachsen: Die auf einen Tonträger gebannten Höhepunkte der Jubiläumssaison des von Peter Wallinger aus Maulbronn-Zaisersweiher geleiteten Orchesters sind jetzt erschienen und käuflich zu erwerben. Die CD "Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim live 2009/2010" stellt eine Retrospektive auf das Jubiläumsjahr "25 Jahre Kammersinfonie" dar und enthält unter anderem "Zwei Deutsche Tänze" von Franz Schubert, das Sinfonische Gedicht "Finlandia" von Jean Sibelius und Sätze aus der "Peer-Gynt-Suite" von Edvard Grieg.

Die beiden Hauptwerke, Robert Schumanns Sinfonie Nummer 4 in d-moll und Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert in D-Dur mit der Solistin Ursula Schoch, wurden im Mühlacker Uhlandbau mitgeschnitten. Auch alle anderen Werke erklangen im Uhlandbau, wurden dann aber tags darauf in Bietigheim aufgenommen.

Weder die Orchestermusiker noch die Violinsolistin verlassen sich allerdings auf die bewährt gute Akustik des historischen Uhlandbausaals. Mit ebenso transparentem wie differenziertem Klang gestalten die Instrumentalisten Mozarts D-Dur-Konzert und entlocken dem bekannten Werk neue Seiten - im akzentuiert-spielerischen Eröffnungsthema ebenso wie im weiteren Verlauf der drei Sätze. Der Geigerin Ursula Schoch wird der Boden bereitet für ihre virtuose Interpretation, für die die Künstlerin im Konzert so viel Applaus erhielt, dass sie sich mit dem Adagio aus Bachs g-moll-Violinsonate bedankte. Auch dieses Stück ist auf der CD enthalten.

Überzeugt die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim beim Mozart-Konzert noch in der Rolle des stilsicheren, durchaus selbstbewussten Begleiters, so gelten in Silbelius' "Finlandia" und in Griegs "Peer-Gynt-Suite" keine dynamischen Beschränkungen mehr. Wenn das Orchester durch die "Halle des Bergkönigs" fegt, fühlt sich der Zuhörer in mystische Welten versetzt - und bedauert, schon am Ende der CD angelangt zu sein.

Carolin Becker